Medienkunde

Das Elternseminar, das für einen Sonntag geplant war, war schon im Jahreskalender unserer Schule zu finden und wurde im Vorfeld nochmal von den KlassenvorständInnen entsprechend beworben, da wir es für sehr dringend notwendig hielten, dass möglichst viele Eltern daran teilnehmen. Um die Anwesenheit zusätzlich zu erhöhen, haben wir auch noch eine Stunde vor dem Seminar zum Frühstück eingeladen und wir haben einen Übersetzungsdienst für Eltern, deren Deutsch zu schwach ist, um dem Seminar folgen zu können, organisiert.

Das Seminar setzte sich aus verschiedenen Unterkapiteln zusammen. Begonnen haben wir mit einer Summumfrage zum Medienverhalten der Eltern. Hier wird auf Fragen, die dem Publikum gestellt werden, nicht mit Handzeichen reagiert, was, je nach Frage, einem Outing gleichkommt, sondern mit einem Summen. So bekommt man ein Gefühl, wie viele es in der Gruppe betrifft, ohne aber genau zu wissen wen genau.

Inhaltlich war der erste Teil ein Überblick über Medien allgemein. Zuerst die analogen, wobei wir hier auf die von SchülerInnen unserer Erfahrung nach besonders genutzten (z. B. BRAVO) mit einem Ansichtsexemplar hingewiesen haben. Da es gerade muslimisch, religiös lebenden Eltern sehr wichtig ist, dass Kinder zwar aufgeklärt sind, sie aber, entsprechend der Glaubensvorschrift, keine nackten Körper sehen, konnten wir dieses Einstiegsbeispiel dafür, dass sich Eltern mit den von den Kindern konsumierten Medien aktiv auseinandersetzen, sehr gut verwenden.

Der zweite Punkt beschäftigte sich mit den digitalen Medien (z. B. Facebook, Instagram, E-Books, Blogs, …) und den Plattformen (z. B. Smartphone, Spielekonsole, Tablet, Smart-TV, …), auf denen sie konsumiert/genutzt werden können.

Im dritten Teil wurde der Nutzen (z. B. Recherche, aktuelle Nachrichten, Unterhaltung, Lernen, …) den Gefahren (z. B. Sexting, Zeitverbrauch, …) gegenübergestellt. Der Bereich Gefahren wurde durch einen kurzen Überblick über aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse über den Zusammenhang mit Konzentrationsbeeinflussung, Sozialkompetenzveränderungen, … erweitert.

Im vierten Teil wurden die wichtigsten Plattformen in der Lebenswelt der Kinder einzeln behandelt: Fernseher, Computer/Tablet, Smartphone, Spielekonsole.

Der fünfte Teil war dann der wichtigste, auf den die vorhergegangenen hingeführt haben:

  • Vorbildwirkung als Eltern
  • Umgang mit den Medien – was ist in welchem Alter normal?
  • Wie kann ich mit meinem Kind eine Vereinbarung treffen (Verhandlung bis Verbot)?
  • Was mache ich, wenn mein Kind mit Inhalten in Berührung kommt, die ich nicht für richtig halte?

Zum Abschluss haben wir ein Rollenspiel zum Thema „Mein Kind will ein neues Smartphone.“ gemacht, um die gerade gehörten Inhalte auch in der Praxis auszuprobieren. Eltern schlüpften in die Rolle der Kinder und versuchten mit den Eltern das Modell und die Nutzungsregeln zu vereinbaren. Andere SeminarteilnehmerInnen hatten Beobachtungsaufträge.

Auch wurde unser obligatorischer Feedbackbogen für unsere Elternseminare ausgeteilt, um für nächstes Mal noch besser auf die Elterninteressen zu dem Thema eingehen zu können. Allgemeines Feedback war, dass sie vieles mitnehmen konnten, manche hätten sich noch mehr praktische Hinweise, gerade bei Computer-, Handy- und Internetsicherheit gewünscht.

Unsere Aktivitäten:

  • Zusammentragen der zu präsentierenden Inhalte aus den Erfahrungen der letzten Jahre
  • Vorbereitung des Elternseminars
  • Durchführung des Elternseminars inklusive Feedback
  • Auswertung des Feedbacks

Unsere Eindrücke:

Unser Gefühl aus den Erfahrungen der letzten Jahre bestätigte sich. Viele Eltern waren mit vielen aktuellen Gefahren der digitalen Mediennutzung nicht vertraut. Im Publikum waren eine sehr neugierige Stimmung und auch ein allgemeiner Konsens, dass sich die Schule nicht alleine um einen verantwortungsvollen Umgang der Kinder mit digitalen Medien kümmern kann. Der Zeitrahmen von geplanten 90 Minuten, der sich dann schon auf 110 Minuten ausdehnte, war zu kurz, um alle notwendigen Aspekte einzubeziehen, bzw. den Eltern auch mehr Möglichkeiten zu bieten sich einzubringen und das Gelernte auch praktisch anwenden zu können.

Wie geht´s weiter?

Dieses Seminarthema wird sicher auch nächstes Jahr im Programm sein. Außerdem werden wir die Seminarinhalte und Erfahrungen auch an unseren beiden Campusschulen (Phönixvolksschule und Phönixmittelschule) weiterleiten, die diese dann auch ihren Eltern anbieten können.

Außerdem werden wir ein fächerübergreifendes Curriculum der Medienkunde zu planen beginnen. Viele Fächer (Informatik, Sprachen, Geographie, …) beschäftigen sich damit, aber Überblick wer, was macht haben wir nicht und so sehen wir auch nicht, was den SchülerInnen noch fehlt.

Die Eltern der 2. Klasse haben sich bei einem Elternabend darauf geeinigt, dass sie ihren Kindern nur mehr einfache Handys mit Telefonfunktion kaufen, da sich im Moment weder die Internetnutzung noch die Nutzung von Social Media positiv auf die SchülerInnen auswirkt. Wir werden die Umsetzung und Auswirkungen dieser Maßnahme beobachten.